Von Idioten umzingelt - Wenn Mitarbeiter in den Widerstand gehen

In der Aprilausgabe der brandeins spricht Erik Nagel, Professor für Organisation an der Hochschule Luzern über Widerstand der Mitarbeiter: "Wenn Vorstände auf Widerstand stoßen – also etwa auf Mitarbeiter, die sich offen auflehnen oder subtil verweigern –, interpretieren sie das häufig so, dass diese Leute nicht begriffen hätten, was gut für sie ist. Dahinter steht die Überzeugung: Die haben zu spuren."

Wie können Führungskräfte mit den Widerständen der Mitarbeiter oder auch Kunden umgehen, die durch die komplexen und umfassenden Veränderungen im Rahmen der Digitalisierung auftreten? Oder diesen Gegenwind gar verhindern?

Zum einen braucht es in den Führungsetagen mehr Empathie, also die Fähigkeit sich in andere Menschen, die Mitarbeiter hineinzuversetzen, um angemessen reagieren zu können. Es braucht jedoch vor allem eine andere Wahrnehmung, eine Transformation des Innen, um die Zeichen richtig deuten zu können. Sich über Widerstand nicht zu ärgern, sondern als Warnlampe zu sehen und genauer hinzuschauen, was es braucht, um das Projekt (wieder) zum Laufen zu bringen. Im Auto reißt ja auch niemand fluchend die Verkabelung des Armaturenbretts raus, nur weil die Tankanzeige so nervig leuchtet.

Vielmehr den Widerstand der Mitarbeiter als Hinweis zu deuten, dass diese zum einen offenbar noch nicht verstanden haben, warum die Veränderungen nötig sind, zum anderen vermutlich Angst haben. Menschen neigen zum Geisterbahnfahren, also dazu, sich über die Auswirkungen von Veränderungen negative Phantasien zu gestalten. Mitarbeiter sind nur dann aus der Komfortzone herauszulocken, wenn sie einen Gewinn darin sehen und das Selbstvertrauen verspüren, über die Hürde auch springen zu können. Es braucht also eine gemeinsame Vision und Sensemaking. Und dafür braucht es viele analoge Gespräche, gerade in digitalen Zeiten. Somit sind also Führungskräfte dafür verantwortlich, ob es Widerstand im Unternehmen gibt. Die gute Nachricht: Sie sind nicht nur verantwortlich, sie haben auch Einfluss und sind eben nicht "von Idioten umzingelt".